Stadtwandler – Eine Anleitung zum dérive

Material

  • Eine Stadt mit hinreichend großem ÖPNV oder man wählt die Variante „Just Walk“ (s. u.)
  • Eine Tages- oder Dauerkarte für den ÖPNV der beteffenden Stadt.
  • Drei Würfel.
  • Optinal: Kompass/Stadtplan/GPS-Gerät/Handy zur Bestimmung der Himmelsrichtung und für den Notfall.

Start

  • Gestartet wird an einer beliebigen Haltestelle (Bus/S-/U-/Straßenbahnstation), am besten eine mit mehreren Optionen.
  • Zu Anfang wird eine Dauer festgelegt. Es sollten mind. zwei Stunden veranschlagt werden, besser sind aber drei oder gar vier.

Generelles Vorgehen

  • Jede Strecke wird komplett zufällig mit Hilfe von Würfeln festgelegt.
  • Man unterscheidet Fahr- und Laufstrecken.
  • Eine Fahrstrecke endet nach einer ausgewürfelten Anzahl von Stationen oder an der Endstation.
  • Eine Laufstrecke endet, sobald man auf eine Haltestelle des ÖPNV trifft.
  • Am Ende einer Strecke wird per Würfel ein neue Strecke bestimmt.
  • Ein Stadtwandler endet nach der festgelegten Dauer.
  • Es ist eminent wichtig, sich stets an die Regeln zu halten und nicht zu mogeln. Oft hat man eine Präferenz für eine der möglichen Alternative oder die Würfel bringen einer wieder dahin, wo man hergekommen ist. In solchen Fällen ist die Versuchung groß, die Regeln zu beugen, da heißt es stark bleiben!

Ermittlung einer Strecke

  • Bei jeder Streckenermittlung versucht generell den vorhandenen Optionen möglichst gleiche Chancen einzuräumen. Ausgenommen wird aber das Verkehrsmittel (inkl. Laufen), mit dem man an einem Entscheidungspunkt angekommen ist.
  • Man geht hierarchisch vor, d. h. durch sukzessive Verfeinerung, in dem man erst das prinzipielle Transportmittel durch Würfelwurf bestimmt, dann den Bahnsteig oder die Busstrecke, dann das Gleis bzw. die Haltstelle erwürfelt usw. Ein Beispiel. Bei der Hamburger U-Bahn-Station Schlump treffen mehrere Bus- und U-Bahnlinien aufeinander. Hier würfelt man zunächst 1-2 für Laufen, 3-4 für Bus, 5-6 für U-Bahn. Hat man die U-Bahn erwürfelt, so gibt es dort zwei mögliche Zugänge: Man wählt einen durch 1-3 für links oder 4-6 für rechts. Bei jedem dieser Zugänge gibt es ein oberes und ein unteres Gleis, das man durch 1-3 für oben und 4-6 für ermittelt. Beim unteren Gleis gibt es wiederum zwei Möglichkeiten, hier würfelt man 1-3 für links und 4-6 für rechts und nimmt dort die erste eintreffende Bahn.
  • In den meisten Fällen verfügt ein Verkehrmittel (Bus- oder Bahn) über zwei mögliche Richtungen. In dem Fall führt eine eine zwei-alternativige Entscheidung durch und nimmt das erste Transportmittel, das kommt.
  • Die Länge der Fahrtstrecke wird jeweils drei Würfeln erwürfelt. Die Summe der Aufgen ist die Anzahl der Stationen, die man auf dieser Linien zurückzulegen hat. Wenn man drei Sechsen würfelt, bedeutet dies, dass man bis zur Endstation fährt (es sei denn es ist eine zyklische Linie, wie z. B. die U3 in Hamburg), ebenso falls man mehr Stationen erwürfelt als faktischen möglich sind.
  • Eine Laufrichtung ermittelt man durch zweimaliges Würfeln: Erster Würfel: Nord/Süd: 1-3 , West/Ost: 4-6, zweiter Würfel: Nord/West: 1-3, Süd/Ost: 4-6 . Ist man an einer Stelle, an der nicht alle 4 Himmelsrichtungen gangbar sind, kann man auch eine zwei oder drei-alternativige Entscheidung durchführen (s. Würfelregeln).
  • Die Laufstrecke wird prinzipiell durch möglichst striktes Folgen der ermittelten Himmelsrichtung zurückgelegt. Da dies nicht immer möglich ist, folgt man im Zweifelsfalle einfach der Straße. An einer T-Kreuzung führt man eine Links/Rechts-Entscheidung durch und folgt dem so ermittelten Weg bis zur nächsten Möglichkeit, die ursprüngliche Himmelsrichtung wieder einzuschlagen.

Ende

  • Der Stadtwandler endet mit dem Ende der Lauf- oder Fahrstrecke die an oder über die festgelegte Dauer reicht.

Varianten

  • Just Walk: Man streift durch die Stadt und erwürfelt an jeder Kreuzung/Abzweigung/Weggabelung den weiteren Weg.

Sonderregeln

  • Rebound. Kommt man an die Grenzen der Stadt, so wird an diesem Punkt eine neue Strecke bestimmt, wobei die Optionen, die aus der Stadt hinausführen unberücksichtigt bleiben.
  • Disfunktionale Haltstelle. Es kann vor allen an Sonntagen und an Bushaltestellen vorkommen, dass dort das Transportmittel gar nicht oder nur nach sehr langer Wartezeit (>15 min) verkehrt. In dem Fall ist es gestattet bzw. notwendig die Haltestelle einfach zu ignorieren.
  • Zuschlagpflichtige Verkehrsmittel. Verkehrsmittel, die einen Zuschlag erfordern (z. B. Hamburger Schnellbusse), können als nicht-existent behandelt werden.
  • Intervention. Ist man in der Gruppe unterwegs, darf jeder jederzeit einen Vorschlag machen, über dessen Annahme oder Ablehnung der Würfel mit einer Ja/Nein-Alternative entscheidet (Ja: 1-3, Nein: 4-6).

Beispiele

  • S-Bahnstation Holstenstraße. Hier gibt einen Bahnsteig für zwei S-Bahnlinien sowie zwei Busstrecken (Ost-West- und Nord-Südrichtung), wobei an der einen Strecke zwei Buslinien verkehren. Hier wird zunächst 1-2 für Laufen, 3-4 für Bus und 5-6 für S-Bahn gewürfelt. Hat man eine 3 oder 4 erhalten, dann ermittelt man mit 1-3 die Ost-West- und mit 4-6 die Nord-Südrichtung. Hat man z. B. letztere ermittelt, würfelt man 1-3 für die Haltestelle in Nordrichtung und 4-6 für die Haltestelle in Südrichtung. Dort nimmt man dann den ersten Bus, der entweder Linie 20 oder 25 sein kann, und fährt 3-18 (3w6) Stationen.
  • Bahnhof Altona. Hier mat man 4 S-Bahnlinien auf 2 Bahnsteigen mit insgesamt 4 Gleisen und zahlreiche Buslinien an einem Busbahnhof mit 4 Bahnsteigen. Hier wählt man man Laufen: 1-2, Bus: 3-4, S-Bahn: 5-6. Von den Busbahnsteigen kann man einen mit einer vieralternativigen Entscheidung (ähnlich wie die Bestimmung einer Himmerlsrichtung) auswählen. Für die S-Bahn kann man mit zwei Links-Rechts-Entscheidungen auf ein Gleis gelangen und die nächste Bahn nehmen.
  • Verlassene Bushaltestelle. Man läuft schon eine Weile nach Norden, als zwei Bushaltestellen auftauchen, eine auf der Straßeseite, auf der man gerade unterwegs ist und eine auf der Gegenseite. Man würfelt 1-3 für letztere und 4-6 für erstere. Laufen scheidet aus, da man so dort angekommen ist. An der ermittelten Bushaltestelle stellt man dann fest, dass dort am Sonntag gar keine Busse fahren. In dem Fall wird die Haltstelle ignoriert und man setzt seinen Weg nach Norden weiter fort.

Anhang: Würfelregeln

  • Ja/Nein(1w6). Ja: 1-3, Nein: 4-6
  • Links/Rechts (1w6). Links: 1-3, Rechts: 4-6
  • Oben/Unten (1w6). Hoch/Oben: 1-3, Runter/Unten: 4-6
  • Himmelsrichtung (2w6). 1. Würfel Nord/Süd: 1-3, West/Ost: 4-6, dann 2. Würfel Nord/West: 1-3, Süd/Ost: 4-6
  • 2 Alternativen (1w6). 1. Alternative: 1-3, 2. Alternative: 4-6
  • 3 Alternativen (1w6). 1. Alternative: 1-2, 2. Alternative: 3-4, 3. Alternative: 5-6
  • 4 Alternativen (2w6). 1. Alternative: 1-3/1-3, 2. Alternative: 1-3/4-6, 3. Alternative: 4-6/1-3, 4. Alternative: 4-6/4-6
  • 5 Alternativen (1w6). 1.-5. Alternative: 1-5, bei 6 nochmals würfeln
  • 6 Alternativen (1w6): 1.-6. Alternative: 1-6

Update (7.10.2011): Zum zweiten Mal diese Woche muss ich erfahren, dass jemand dieselbe Idee hatte…:-( Diesmal war ich zu spät, denn ein fast identisches Konzept bereits in den 1990er von der iwi entertainment group entwickelt. Aber seht selbst.  Der Unterschied ist, dass der Stadtwandler nicht die Dokumentation in der Vordergrund stellt, sondern das unterwegs sein. Dennoch bin ich etwas schokkiert…

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