time t-null

Die Idee hinter der Facebook-Gruppe „time t0“ war die relativistische Unmöglichkeit von Gleichzeitigkeit listig zu hintergehen und so einen Zeitpunkt an verschiedenen Orten der Welt festzuhalten. Dazu wurden Facebook-Veranstaltungen erstellt, an denen die Teilnehmer der Gruppe jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden, ein Foto machen sollten und in Facebook einzustellen. Es gab einen Testlauf („test t-null“) am 1.4.2010 um 9:35 (MESZ) mit 17 Teilnehmern und ein zweites Event „Quantum t-null“ am 1.8.2010 um 17:28:58h (MESZ) mit 11 Teilnehmern, bei der der Zeitpunkt mit Hilfe eines Quantenzufallsgenerators ermittelt wurde.

Hier die Bilder des beiden Events:

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Heute wurde mir dann bekannt, dass auch jemand anders dieselbe Idee hatte

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Der Entscheidungsservice

Im Rahmen der dritten Wandlerausgabe am 1.4.2011 im Frappant, Hamburg, stand auch ein Entscheidungsservice zur Verfügung. Die Regeln waren denkbar einfach: Man schildert dem Entscheidungsservice eine Problem, dass mehrere konkrete Alternativen hat, zwischen denen man sich nicht entscheiden kann. Nach evtl. ein paar zusätzlichen Verständnisfragen gab der Entscheidungsservice daraufhin einen Rat, welche Alternative vorzuziehen sei. Diese Entscheidung wurde nicht begründet und es durfte darüber auch nicht mehr diskutiert werden.

Diese Entscheidungsgespräche wurden aufgezeichnet und anschließend aus Anonymisierungsgründen transkribiert. Das Transkript findet sich hier: Protokoll des Entscheidungsservice 1.4.2011, Frappant

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Kreativ Karaoke

Kreativ Karaoke ist ein wissenschaftliches Experiment und eine interaktive Performance. Zu einem vorgegebenem Backingtrack (produziert von Frank Riedemann) sollten die Teilnehmer eine möglichst hittaugliche Melodie erfinden und einsingen. Das Experiment wurde bisher dreimal durchgeführt (in Hamburg & Warschau 2009, in London 2010, in Hamburg 2011) mit insgesamt über 80 Teilnehmern. Wer dran teilnehmen möchte kann dies hier immer noch tun.

Hamburg & Warschau 2009:

Kreativ Karaoke Track 01  Kreativ Karaoke Track 02
Kreativ Karaoke Track 03  Kreativ Karaoke Track 04
Kreativ Karaoke Track 05  Kreativ Karaoke Track 06
Kreativ Karaoke Track 07  Kreativ Karaoke Track 08
Kreativ Karaoke Track 09  Kreativ Karaoke Track 10
Kreativ Karaoke Track 11  Kreativ Karaoke Track 12
Kreativ Karaoke Track 13  Kreativ Karaoke Track 14
Kreativ Karaoke Track 15  Kreativ Karaoke Track 16

London 2010:

Kreativ Karaoke Track 17   Kreativ Karaoke Track 18
Kreativ Karaoke Track 19   Kreativ Karaoke Track 20
Kreativ Karaoke Track 21   Kreativ Karaoke Track 22
Kreativ Karaoke Track 23   Kreativ Karaoke Track 24
Kreativ Karaoke Track 25   Kreativ Karaoke Track 26
Kreativ Karaoke Track 27   Kreativ Karaoke Track 28
Kreativ Karaoke Track 29   Kreativ Karaoke Track 30
Kreativ Karaoke Track 31   Kreativ Karaoke Track 32
Kreativ Karaoke Track 33   Kreativ Karaoke Track 34
Kreativ Karaoke Track 35   Kreativ Karaoke Track 36
Kreativ Karaoke Track 37   Kreativ Karaoke Track 38
Kreativ Karaoke Track 39   Kreativ Karaoke Track 40
Kreativ Karaoke Track 41   Kreativ Karaoke Track 42
Kreativ Karaoke Track 43   Kreativ Karaoke Track 44
Kreativ Karaoke Track 45   Kreativ Karaoke Track 46
Kreativ Karaoke Track 47   Kreativ Karaoke Track 48
Kreativ Karaoke Track 49   Kreativ Karaoke Track 50
Kreativ Karaoke Track 51   Kreativ Karaoke Track 52
Kreativ Karaoke Track 53   Kreativ Karaoke Track 54

Hamburg 2011:

Kreativ Karaoke Track 57  Kreativ Karaoke Track 58
Kreativ Karaoke Track 59  Kreativ Karaoke Track 60
Kreativ Karaoke Track 61  Kreativ Karaoke Track 62
Kreativ Karaoke Track 63  Kreativ Karaoke Track 64
Kreativ Karaoke Track 65  Kreativ Karaoke Track 66
Kreativ Karaoke Track 67  Kreativ Karaoke Track 68
Kreativ Karaoke Track 69  Kreativ Karaoke Track 70
Kreativ Karaoke Track 71  Kreativ Karaoke Track 72
Kreativ Karaoke Track 73  Kreativ Karaoke Track 74
Kreativ Karaoke Track 75  Kreativ Karaoke Track 76
Kreativ Karaoke Track 77  Kreativ Karaoke Track 78
Kreativ Karaoke Track 79  Kreativ Karaoke Track 80
Kreativ Karaoke Track 81  Kreativ Karaoke Track 82

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Ogorilog

Im Rahmen der dritten Wandler-Ausgabe, die am 1.4.2011 in Frappant stattfand, wurde das Ogorilog durchgeführt,  eine Art Ketteninterview. Die Teilnehmer mussten jeweils auf eine Frage antworten, die der Vorgänger gestellt hatte und seinerseits eine Frage stellen, auf die der Nachfolger antworten musste. Dies wurde alles mit einem portablem Harddisc-Recorder aufgenommen. Das Ergebnis ist Tychologie pur.

Credits: Jochen van den Bosch hat freundlicherweise die Betreuung des Ogorilogs übernommen. Das Ogorilog ist vom Ogori-Cafe inspiriert und danach benannt.

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Stadtwandler – Eine Anleitung zum dérive

Material

  • Eine Stadt mit hinreichend großem ÖPNV oder man wählt die Variante „Just Walk“ (s. u.)
  • Eine Tages- oder Dauerkarte für den ÖPNV der beteffenden Stadt.
  • Drei Würfel.
  • Optinal: Kompass/Stadtplan/GPS-Gerät/Handy zur Bestimmung der Himmelsrichtung und für den Notfall.

Start

  • Gestartet wird an einer beliebigen Haltestelle (Bus/S-/U-/Straßenbahnstation), am besten eine mit mehreren Optionen.
  • Zu Anfang wird eine Dauer festgelegt. Es sollten mind. zwei Stunden veranschlagt werden, besser sind aber drei oder gar vier.

Generelles Vorgehen

  • Jede Strecke wird komplett zufällig mit Hilfe von Würfeln festgelegt.
  • Man unterscheidet Fahr- und Laufstrecken.
  • Eine Fahrstrecke endet nach einer ausgewürfelten Anzahl von Stationen oder an der Endstation.
  • Eine Laufstrecke endet, sobald man auf eine Haltestelle des ÖPNV trifft.
  • Am Ende einer Strecke wird per Würfel ein neue Strecke bestimmt.
  • Ein Stadtwandler endet nach der festgelegten Dauer.
  • Es ist eminent wichtig, sich stets an die Regeln zu halten und nicht zu mogeln. Oft hat man eine Präferenz für eine der möglichen Alternative oder die Würfel bringen einer wieder dahin, wo man hergekommen ist. In solchen Fällen ist die Versuchung groß, die Regeln zu beugen, da heißt es stark bleiben!

Ermittlung einer Strecke

  • Bei jeder Streckenermittlung versucht generell den vorhandenen Optionen möglichst gleiche Chancen einzuräumen. Ausgenommen wird aber das Verkehrsmittel (inkl. Laufen), mit dem man an einem Entscheidungspunkt angekommen ist.
  • Man geht hierarchisch vor, d. h. durch sukzessive Verfeinerung, in dem man erst das prinzipielle Transportmittel durch Würfelwurf bestimmt, dann den Bahnsteig oder die Busstrecke, dann das Gleis bzw. die Haltstelle erwürfelt usw. Ein Beispiel. Bei der Hamburger U-Bahn-Station Schlump treffen mehrere Bus- und U-Bahnlinien aufeinander. Hier würfelt man zunächst 1-2 für Laufen, 3-4 für Bus, 5-6 für U-Bahn. Hat man die U-Bahn erwürfelt, so gibt es dort zwei mögliche Zugänge: Man wählt einen durch 1-3 für links oder 4-6 für rechts. Bei jedem dieser Zugänge gibt es ein oberes und ein unteres Gleis, das man durch 1-3 für oben und 4-6 für ermittelt. Beim unteren Gleis gibt es wiederum zwei Möglichkeiten, hier würfelt man 1-3 für links und 4-6 für rechts und nimmt dort die erste eintreffende Bahn.
  • In den meisten Fällen verfügt ein Verkehrmittel (Bus- oder Bahn) über zwei mögliche Richtungen. In dem Fall führt eine eine zwei-alternativige Entscheidung durch und nimmt das erste Transportmittel, das kommt.
  • Die Länge der Fahrtstrecke wird jeweils drei Würfeln erwürfelt. Die Summe der Aufgen ist die Anzahl der Stationen, die man auf dieser Linien zurückzulegen hat. Wenn man drei Sechsen würfelt, bedeutet dies, dass man bis zur Endstation fährt (es sei denn es ist eine zyklische Linie, wie z. B. die U3 in Hamburg), ebenso falls man mehr Stationen erwürfelt als faktischen möglich sind.
  • Eine Laufrichtung ermittelt man durch zweimaliges Würfeln: Erster Würfel: Nord/Süd: 1-3 , West/Ost: 4-6, zweiter Würfel: Nord/West: 1-3, Süd/Ost: 4-6 . Ist man an einer Stelle, an der nicht alle 4 Himmelsrichtungen gangbar sind, kann man auch eine zwei oder drei-alternativige Entscheidung durchführen (s. Würfelregeln).
  • Die Laufstrecke wird prinzipiell durch möglichst striktes Folgen der ermittelten Himmelsrichtung zurückgelegt. Da dies nicht immer möglich ist, folgt man im Zweifelsfalle einfach der Straße. An einer T-Kreuzung führt man eine Links/Rechts-Entscheidung durch und folgt dem so ermittelten Weg bis zur nächsten Möglichkeit, die ursprüngliche Himmelsrichtung wieder einzuschlagen.

Ende

  • Der Stadtwandler endet mit dem Ende der Lauf- oder Fahrstrecke die an oder über die festgelegte Dauer reicht.

Varianten

  • Just Walk: Man streift durch die Stadt und erwürfelt an jeder Kreuzung/Abzweigung/Weggabelung den weiteren Weg.

Sonderregeln

  • Rebound. Kommt man an die Grenzen der Stadt, so wird an diesem Punkt eine neue Strecke bestimmt, wobei die Optionen, die aus der Stadt hinausführen unberücksichtigt bleiben.
  • Disfunktionale Haltstelle. Es kann vor allen an Sonntagen und an Bushaltestellen vorkommen, dass dort das Transportmittel gar nicht oder nur nach sehr langer Wartezeit (>15 min) verkehrt. In dem Fall ist es gestattet bzw. notwendig die Haltestelle einfach zu ignorieren.
  • Zuschlagpflichtige Verkehrsmittel. Verkehrsmittel, die einen Zuschlag erfordern (z. B. Hamburger Schnellbusse), können als nicht-existent behandelt werden.
  • Intervention. Ist man in der Gruppe unterwegs, darf jeder jederzeit einen Vorschlag machen, über dessen Annahme oder Ablehnung der Würfel mit einer Ja/Nein-Alternative entscheidet (Ja: 1-3, Nein: 4-6).

Beispiele

  • S-Bahnstation Holstenstraße. Hier gibt einen Bahnsteig für zwei S-Bahnlinien sowie zwei Busstrecken (Ost-West- und Nord-Südrichtung), wobei an der einen Strecke zwei Buslinien verkehren. Hier wird zunächst 1-2 für Laufen, 3-4 für Bus und 5-6 für S-Bahn gewürfelt. Hat man eine 3 oder 4 erhalten, dann ermittelt man mit 1-3 die Ost-West- und mit 4-6 die Nord-Südrichtung. Hat man z. B. letztere ermittelt, würfelt man 1-3 für die Haltestelle in Nordrichtung und 4-6 für die Haltestelle in Südrichtung. Dort nimmt man dann den ersten Bus, der entweder Linie 20 oder 25 sein kann, und fährt 3-18 (3w6) Stationen.
  • Bahnhof Altona. Hier mat man 4 S-Bahnlinien auf 2 Bahnsteigen mit insgesamt 4 Gleisen und zahlreiche Buslinien an einem Busbahnhof mit 4 Bahnsteigen. Hier wählt man man Laufen: 1-2, Bus: 3-4, S-Bahn: 5-6. Von den Busbahnsteigen kann man einen mit einer vieralternativigen Entscheidung (ähnlich wie die Bestimmung einer Himmerlsrichtung) auswählen. Für die S-Bahn kann man mit zwei Links-Rechts-Entscheidungen auf ein Gleis gelangen und die nächste Bahn nehmen.
  • Verlassene Bushaltestelle. Man läuft schon eine Weile nach Norden, als zwei Bushaltestellen auftauchen, eine auf der Straßeseite, auf der man gerade unterwegs ist und eine auf der Gegenseite. Man würfelt 1-3 für letztere und 4-6 für erstere. Laufen scheidet aus, da man so dort angekommen ist. An der ermittelten Bushaltestelle stellt man dann fest, dass dort am Sonntag gar keine Busse fahren. In dem Fall wird die Haltstelle ignoriert und man setzt seinen Weg nach Norden weiter fort.

Anhang: Würfelregeln

  • Ja/Nein(1w6). Ja: 1-3, Nein: 4-6
  • Links/Rechts (1w6). Links: 1-3, Rechts: 4-6
  • Oben/Unten (1w6). Hoch/Oben: 1-3, Runter/Unten: 4-6
  • Himmelsrichtung (2w6). 1. Würfel Nord/Süd: 1-3, West/Ost: 4-6, dann 2. Würfel Nord/West: 1-3, Süd/Ost: 4-6
  • 2 Alternativen (1w6). 1. Alternative: 1-3, 2. Alternative: 4-6
  • 3 Alternativen (1w6). 1. Alternative: 1-2, 2. Alternative: 3-4, 3. Alternative: 5-6
  • 4 Alternativen (2w6). 1. Alternative: 1-3/1-3, 2. Alternative: 1-3/4-6, 3. Alternative: 4-6/1-3, 4. Alternative: 4-6/4-6
  • 5 Alternativen (1w6). 1.-5. Alternative: 1-5, bei 6 nochmals würfeln
  • 6 Alternativen (1w6): 1.-6. Alternative: 1-6

Update (7.10.2011): Zum zweiten Mal diese Woche muss ich erfahren, dass jemand dieselbe Idee hatte…:-( Diesmal war ich zu spät, denn ein fast identisches Konzept bereits in den 1990er von der iwi entertainment group entwickelt. Aber seht selbst.  Der Unterschied ist, dass der Stadtwandler nicht die Dokumentation in der Vordergrund stellt, sondern das unterwegs sein. Dennoch bin ich etwas schokkiert…

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Von der Quantenmechanik des Lebens

Noch denken wir, wir hätten unser Leben unter Kontrolle. Aber das ist, wie man sich denken kann, natürlich eine Illusion. Vielleicht eine gute, eine nützliche Illusion, allein, sie zerbricht so oft, dass jeder von uns in sich die heimliche Gewissheit trägt, dass DAS ALLES nicht zu kontrollieren ist. Man muss schon sehr resilient sein, um die Illusion der Kontrollierbarkeit vor sich selbst aufrecht zu erhalten. Aber Kontrollverlust ist nicht immer schlecht, viele von uns geben viel Zeit Geld für gezielten Kontrollverlust aus, sei es durch Alkohol und Drogen, durch Sportveranstaltungen, Konzerte, Tanz und Musikgenuss oder das allwöchentliche Lottospiel. Doch der Zufall hat keine Moral, er weiß nichts von Gut und Böse, von Glück und Unglück. Zufall ist. Zufall passiert – immer überall. Zufall ist der heimliche Herrscher, und diesem wird viel zu wenig gebührende Reverenz erwiesen.

Die Quantenmechanik ist eine Theorie des Zufalls, wenn auch die nicht die Theorie des Zufalls. Die Quantenmechanik hat das Reich des Zufalls in abstrakte Formeln gegossen, aber die Konsequenzen reichen viel weiter. Nichts was ist, kann vorherbestimmt werden. Jedes mögliches Ereignis hat mögliche Alternativen, die sich zu einer Überlagerung von Möglichkeiten verschränken, in der Dinge gleichzeitig schon sind und noch nicht sind. Nur im Nachhinein werden sie zu Sachverhalten, zu Fällen. Im Vorhinein regiert quantenmechanische Willkür. Das bedeutet aber nicht, dass alles möglich ist. Die Grenzen des Möglichen sind durch physikalische Prinzipien festgeschrieben, durch Energie- und Impultserhaltung, durch die Struktur von Raum und Zeit und Gesetze unseres Denkens. An den absoluten Grenzen umrahmt unerschütterlich das Licht den Kegel der Kausalität. Außerhalb des Lichtkegels liegt das Gebiet des Unmöglichen, Unbetretbaren, Unwissbaren.

Wir sind, genau betrachtet, nicht viel, nur ein mageres Bündel von Möglichkeiten, wie auch die Welt um uns herum. In einem unvorhersehbaren Tanz der Realisationen kommunzieren wir mit der Welt, was Vergangenheit sein wird, ohne dass es ein „Ich“ gäbe, dass dies bewerkstelligen würde oder auch nur könnte. Das „Ich“ ist nurmehr ein Bündel von Möglichkeiten, ein Medium, um das Vergangene zu sehen und sich das Kommende vorzustellen. Und so wird gleichzeitig Gleichzeitigkeit ebenfalls zur Illusion. Zwischen gestern und morgen, zwischen dir und mir liegt immer ein Weg des Verlustes.

Trotz der Unabwendbarkeit des Zufallhaftigen des Lebens, ist der Mensch eine Sinnmaschine, dazu verdammt noch im letzten wilden Rauschen ein sinnhaftes Moment zu entdenken und zu verfinden. Die Verkenntnis der fundamentalen Akausalität des Kausalen gebiert den täglichen Aberglauben, den wir manchmal Kunst nennen. Dies ist ebenso sinnlos wie notwendig und deswegen zufällig sinnvoll. Die Sinnmaschine Mensch reflektiert und manifestiert sich in der Sinnmaschinerie Kunst einzig und allein durch diesen scheibaren Widerspruch, und die Kunst wird ihrerseits zur Superposition von Möglichkeiten, die im Auge des Betrachter notwendig einen zufälligen Sinn ergeben. Intentionsabgleich, was man gelungene Kommunikation nennen könnte, ist dabei selten und reine Kontingenz. Dennoch können wir manchmal drauf wetten, denn Strukturen des Vorhersagbaren sind als Nebelschleier der Gewissheit immer noch greifbar – wenn wir das nötige Bewusstsein dazu besitzen.

Alles ist beliebig und doch auch wieder nicht. Kunst als semiotisches Glücksspiel (sie macht Sinn oder vielleicht auch nicht, wie eine Münze, die klimpernd auf nassen Asphalt fliegt) tritt dabei in einen selbstreflektierenden Regelkreis des zufällig gelingenden Versuchs der Sichtbarkeitmachung des Kontigenten, gerade auch wenn sie scheitert. „Verstehen wir uns nicht, ist es gerade recht!“[1]. Dieses Motto von Monty Cantsin steht paradigmatisch für das Siegen im Verlust, das Gelingen im Scheitern, der Sichtbarmachung des Verborgenen.

Die (Ver-)bindungen zwischen den Menschen sind quantenmechanische Wurmlöcher die Raum und Zeit durchtunneln, bei denen niemand weiß, ob das, was an einen Ende hineinfällt, am anderen Ende überhaupt wieder herauskommt, oder ob es dann noch dasselbe ist oder als sein Gegenteil, sein eigenes Antiteilchen m,terialisert. Schlimmer noch (und dadurch tröstlich): Wir haben keinerlei Zugriff darauf, was jeweils der Fall ist, denn am Ereignishorizont einer Raumzeitsingularität ent-wickeln sich die verwickelten Superpositionen der Möglichkeiten ohne dass wir wissen können, wie und in welcher Form das geschieht. Uns bleibt nur, am anderen Ende des zwischenmenschlichen Wurmlochs zu sitzen und zu hoffen und zu warten, um zu erfahren und zu erleben, welche Option sich zu uns hinüberbeamt.

Dies mündet in der Unschärferelation von Kunst und Leben. Kennen wir die Kunst, kennen wir das Leben nicht, kennen wir das Leben, kennen wir die Kunst nicht mehr. Und doch die die Kunst die Ableitung nach dem Leben und umgekehrt, beide sind nicht getrennt voneinander denkbar. Deswegen können und müssen wir jeweils einen Standpunkt einnehmen, uns der Kunst oder dem Leben lustvoll hingeben, und dass in jedem Zeitpunkt und an jedem Ort immer wieder neu. Das Sein ist weder Kunst noch Leben, sondern beides. Das Entweder-Oder ist ein Sowohl-Als-Auch.

Doch in einer vereinheitlichten Theorie von allem, dem großen Zeh des Universums, werden schließlich auch Raum und Zeit zu vollkommen unsicheren Orten, zu einer reinen Überlagerung vager Optionen, die sich, quantisiert und granular, zu einem Möglichkeitskontinuum verschränken, zu einem allgegenwärtigen physikalischen Konjunktiv. Wir können dann nicht mehr wissen, wann und wo wir sind, aber wir können immer noch darüber reden.

Das sei hiermit geschehen.

 


[1] Manchmal auch als “Verstehen wir uns gerade, ist es nicht recht!” überliefert.

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Mobflash

Ein schönes, selbstreferentielles Ereignis:

  1. Viele Menschen an einem Ort versammeln.
  2. Einen Startzeitpunkt ausmachen und Startzeichen geben.
  3. Jeder Anwesende fotografiert das Ereignis, an dem er gerade teilnimmt, um diesen einmaligen, großartigen Moment festzuhalten.
  4. Unbedingt Blitz benutzen!
  5. Nach hause gehen und sich die Bilder anschauen.

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